Hallo,
in der Automobilindustrie gilt häufig „Security by Obscurity“, was so viel heißt wie, wenn niemand weiß, was ich tue, ist es sicher. Die Erfahrung zeigt, dass das der falsche Ansatz ist. Irgendjemand findet immer raus, was man tut und meistens sind es nicht die Guten. Ich kenne Wissenschaftler, die Unfallfahrzeuge kaufen, um an Steuergeräte für die Forschung zu kommen, da die Automobilhersteller sie nicht herausrücken.
Der oft zitierte „ADAC-Angriff“ ist ein Angriff unter Nutzung analoger Funktechnik. Da hilft Verschlüsseln und sicherer Schlüsselaustausch überhaupt nichts. Der analogen Technik ist es egal, ob sie verschlüsselte oder unverschlüsselte Signale weiterleitet.
Gegen die Funksignalverlängerung hilft eine Laufzeitmessung des Signals. Aber da muss es Hin- und Rücksignal geben. Das Messen der Signallaufzeit und der Entfernung geht mit der Ultra-Wide-Band-Technik (UWB) wohl genauer. Das beim ADAC erwähnte Messen der Entfernung zum Auto als Sicherheitsmaßnahme ist Quatsch, da nur die Entfernung zum Sender gemessen wird. Und das ist im Zweifelsfall der Sender in der Hand des Angreifers, der nah beim Auto steht. Nur die Laufzeit ist aussagekräftig. Der Weg über die Funkverlängerung des Angreifers zum Schlüssel des Besitzers dauert. Das kann man messtechnisch erfassen. Und wenn das Auto nur startet, wenn die Antwort vom Schlüssel schnell genug kommt, ist der Funkverlängerungsangriff nicht mehr möglich.
Funkwellen brauchen für 30 cm rund 1 Nanosekunde (nsec), als hin und zurück 2 nsec. Sitzt man 100 Meter vom Auto weg im Cafe geht nichts unter einer Laufzeit von ca. 600 nsec. Den Unterscheid kann man gut messen.
Gute Verschlüsslung hilft gegen sog, Replay-Angriffe, also wenn ein aufgezeichnetes Signal nochmals gesendet wird. Gegen Störsender helfen Rückmeldungen, also der Schlüssel bekommt eine Rückmeldung vom Auto „bin verriegelt“ und signalisiert dem Bediener, wenn die Rückmeldung ausbleibt. Kostet allerdings Batterielebenszeit des Schlüssels. Nur bei „Fire and forget“ verhindert ein Störsender die ordnungsgemäße Schließung.
Das Problem ist, das die Fortschritte bei der IT-Sicherheit auf Zeitskalen von unter einem Jahr passieren müssen. Auto aber auf Zeitskalen von mehreren Jahren entwickelt werden. Das Passt nichtzusammen. IT trifft Maschinebau ist ein nicht trivialer „Kampf der Kulturen“. IT hält ein Jahr, Maschinen halten 20 Jahre.
Gruß aus Oberbayern